Der Lehrplan

Körperbewusstsein, Tanz - und Bewegungstraining

Body & Movement Awareness

Anhand feiner Körper- und Bewegungsstudien lernen die Studierenden Strukturen des menschlichen Bewegungsapparates und der Körpermechanik kennen. Sie erfahren - direkt körperlich – eigene tiefverwurzelte Bewegungsmuster, lernen weiter zu differenzieren und entdecken neue Wahlmöglichkeiten.
Über innere Bilder (Images), die sich an anatomischen Gegebenheiten orientieren, können tiefliegende Spannungen abgebaut, Körperaufrichtung und Ausrichtung verbessert werden. Alltags- und tänzerische Bewegung wird lebendiger, leichter und differenzierter, Bewusstheit und Verbindung von Körper und Geist (body-mind) wachsen.

Movement Training

Das Bewusstsein für Energie, Präsenz und Dynamik kann als wacher, aufmerksamer und lebendiger Zustand von Geist und Körper in der Bewegung umschrieben werden. Die Studierenden lernen, alle Sinne zu schärfen, mit Kraft und Schnelligkeit bewusst umzugehen oder anders gesagt, sehen, spüren, erfassen, was um einen herum geschieht und wach werden für klare angemessene Reaktionen.
Neben Techniken und Prinzipien aus Kampfkünsten wie "grounding", "centering", Verantwortlichkeit und Präsenz, arbeiten wir auch mit Formen aus Kampfkünsten wie z.B. Capoeira, welche das Tanzrepertoire erweitern und neue Räume öffnen können. Wahrnehmungsübungen zur Schärfung und Differenzierung der Sinne und Bewegungsexplorationen runden das Training ab.

Tanztraining

Das Tanztraining orientiert sich an funktionaler Bewegungsbildung unter Einbeziehung anatomischer Grundkenntnisse von Skelett und Muskulatur und fördert u.a. auch über innere Körperarbeit das Erspüren und Erkennen von Bewegungsansätzen und deren Verbindungen.
Durch gezielte Bewegungsimpulse werden tänzerische Grundprinzipien aus dem Neuen Tanz - Wechselspiel von Spannung und Entspannung, minimaler Kraftaufwand in der Bewegung, Zentrierung, Balance / Offbalance und Koordination - auf spielerische Weise in freier Form erforscht, entwickelt und getanzt.
Dabei wird das Bewusstsein für `Körper im Raum, das Gespür für Rhythmus, Musikalität und Dynamik geschärft.

Contactimprovisation / Partnering

ist zunächst ein grundlegendes Bewegungstraining, vor allem zur Schulung der kinästhetischen Sinne - vom sensiblen Wahrnehmen und Spüren des eigenen Körpers in Ruhe und Bewegung, des Bodens, des Partners, über weiche und kraftvolle Körperarbeit, bis hin zur Schulung von angemessenen und schnellen Reaktionen im akrobatischen Tanz.
C.I. ist Improvisation im ursprünglichsten Sinn – jede Bewegung entsteht unmittelbar im Augenblick - aus dem Zusammenspiel der Körper und der Schwerkraft. Der Tanz erfordert die komplexe Fähigkeit, sich dem gemeinsamen Bewegungsfluss zu überlassen und gleichzeitig das Geschehen so präsent wahrzunehmen, dass dieser Fluss jederzeit spielerisch gelenkt werden kann.
Direkte körperliche Kommunikation ist eine reiche und ausdrucksvolle Sprache. Sie birgt Überraschungen und authentische Reaktionen und eröffnet im gestalterischen Bereich neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Wir werden Contactimprovisation als Basistraining, Improvisations- und Kompositionselement einsetzen.

Exploration, Improvisation – Gruppe / Solo
Instant Composition

In der
Exploration
dient das Improvisieren als Methode zum kreativen Forschen.
Bewegungsmaterial, emotionale Anbindung und Stimmung werden in ihrer Qualität erforscht und in die Auseinandersetzung mit gestalterischen Aspekten wie Raum, Zeit, Kraft, Form und Dynamik geführt.
Im Fokus stehen das Erlernen und Differenzieren von Bewegungsqualitäten, die Erarbeitung handwerklicher Grundfertigkeiten wie z.B. entwickeln, variieren, phrasieren, shiften, transformieren, instant copying, tuning, contain, akkumulieren und das Bearbeiten gestalterischer Prinzipen wie verkleinern / vergrößern, be – und entschleunigen, verdichten / lichten.
Durch das Training von körperlicher und geistiger Durchlässigkeit wird die Wahrnehmungsfähigkeit geschult und verfeinert sich. Das Spektrum an künstlerischem Ausdruck und kreativem Potential vervielfältigt sich enorm. Sensibel und reaktionsschnell können innere und äußere Impulse wahrgenommen und umgesetzt werden. Ziel ist einen tief gespeicherten Erfahrungsschatz zu sammeln, der später in der Improvisation intuitiv genutzt werden kann.

In der
Improvisation
können sich die erforschten Erfahrungen in strukturierter oder auch anarchischer Form entfalten und vertiefen.

Instant Composition

- ist eine Kunstform und bedeutet Komposition des Augenblicks. Der Verlauf ist unbekannt und wird Schritt für Schritt durch die beteiligten Personen bestimmt. Sie zeichnet sich aus, durch die Provokation spontaner, authentischer Reaktionen und besitzt eine ungeheure Lebendigkeit und Logik. Das erfordert von den Akteuren körperliche und geistige Präsenz, Freude am Spiel mit Bewegung und vielfältigem Ausdruck, einen möglichst ungehemmten Zugang zu den kreativen Ressourcen und kompositorischer Intuition, Kenntnissen und Erfahrung.
Spontanes Handeln und kompositorische Gesetzmäßigkeiten bedienen und reiben sich und greifen ineinander. Improvisation ist jenseits von Beliebigkeit.
Die besondere Kraft und Stärke improvisierter Verläufe begründen sich im Zusammenspiel der Fähigkeiten, mit Körper, Material, Situation und Mitspielern verbindlich zu sein und zugleich spontanen Ereignissen Raum zu gewähren. So können realzeitlich bühnenreife Kompositionen entstehen; durchdrungen von Tiefe und Leichtigkeit – mitunter scheinbar ‚verfahrene’ Situationen werden als Chance genutzt und dienen dem Finden von Nichtvorhersehbarem.

Soloarbeit

In der Soloarbeit wird der Tänzer / die Tänzerin beim Suchen nach der eigenen Ästhetik und Ausdruckskraft unterstützt. Mittels freier Improvisationen und / oder gezielten Themenstellungen wie beispielsweise einer Vorgabe zu Raum, Musik, Bild, Objekt, Kostüm, Text oder Bewegungsmaterial können die individuellen Stärken herausgefunden werden. Ziel dabei ist nicht einen bestimmten (unseren) Stil zu kultivieren, sondern über intensive Forschung und Auseinandersetzung zu einer authentischen Tänzerpersönlichkeit zu finden.



~When I improvise, there is a lot more I'm deciding not to do, than I am deciding to do in my body~
(Lisa Nelson)