"CHOREOMENTOURISM"
mit Su-Mi Jang
Choreomentourism ist keine Methode, sondern ein Praxisfeld – eine Untersuchung darüber, wie Bewegung denkt und wie choreografische Bedeutung aus sinnlicher und relationaler Erfahrung entstehen kann. Die antike Figur des „Mentors“ wird dabei nicht als Autorität verstanden, sondern als jemand, der zirkuliert, zuhört, teilt und mit anderen mitschwingt. Durch die Verbindung von „Mentor“ und „Tour“ (Rotation, Bewegung, Reise) wird Begleitung als relationale Zirkulation und nicht als feste Richtung gedacht.
Der Workshop basiert auf einer fortlaufenden künstlerischen Forschung, in der die Teilnehmenden eingeladen sind, Übergänge zwischen Wahrnehmen und Handeln nachzuspüren – sich mit dem zu bewegen, was noch nicht benannt werden kann. Es geht weniger um das Komponieren von Tanz als darum, Tanz als ein Phänomen des Spürens zu erkennen, in dem Kraft, Wille und Empfänglichkeit des Körpers sich durch Begegnungen und Austausch mit der Umwelt kontinuierlich neu organisieren. Ausgehend von Improvisation, die affektive Erinnerung in sich trägt, richtet sich der Fokus auf das Entstehen von Beziehung: darauf, wie Bedeutung und Phänomene aus der Bewegung selbst hervorgehen. Unsichtbare Interaktionsschichten innerhalb des choreografischen Prozesses werden durchlaufen und in Scores übersetzt. Die Praxis des „Verlängerns einer Pause“ verlangsamt Übergänge und öffnet einen Raum, um wahrzunehmen, wie Atem Beziehung erzeugt. Formlose Energien – Nuance, Haltung, Aura, Charakter – treffen auf die physische Textur des Körpers und bilden sich wandelnde Sequenzen.
Durch diesen Prozess erfahren wir, wie Bewegung zu Denken wird und Denken wieder in Bewegung übergeht – eine Zirkulation, durch die sich Choreografie über das rein Physische hinaus in soziale, politische und ökologische Resonanzen des Körpers in der Welt ausdehnen kann.
Su-Mi Jang ist (Choreografin, Performerin, Forscherin) war von 2000 bis 2020 in Deutschland tätig und erforschte körperliche Erfahrungen, die kulturelle und geografische Grenzen überschreiten. Ihre Arbeit entfaltet sich in einem Prozess des Entdeckens von Bewegungstechniken im Dialog mit den inneren Sensibilitäten des Körpers und deren choreografischer Kontextualisierung. Grundlage dieser Praxis sind somatische Techniken, improvisatorische Methoden, konzeptuelle Forschung, kritische Reflexion sowie das verkörperte Wissen aus über zwei Jahrzehnten Migrationserfahrung.
Für Jang ist der Einsatz unformalisierter Kräfte und Energien ein zentrales künstlerisches Mittel, um ungewohnte Affektschichten in der Begegnung mit dem Publikum sichtbar zu machen. Sie versteht durch moderne Normen disziplinierte Sinne als Mechanismen der Distanzierung und Diskriminierung und queert durch Choreografie die Beziehungen zwischen Selbst und Anderem, Individuum und Gesellschaft – hin zu einer neuen sensoriellen Ethik.
Su-Mi Jang studierte Choreografie an der Folkwang Universität der Künste sowie am DAS Choreography (Amsterdam University of the Arts). Sie arbeitete u. a. mit Sasha Waltz & Guests, der St. Gallen Dance Company (CH) und dem Theater Freiburg (als Teil des Tanzkollektivs PVC). Derzeit lebt und arbeitet sie zwischen Seoul und Berlin und verbindet Lehre und künstlerische Praxis in den Bereichen Tanz, Performance und Installation, mit dem Körper als Medium.
Wann: Samstag 18. - Sonntag 19. Juli 2026 / Jeweils 10 - 16 Uhr
Wo: Lörracherstrasse 45, 79115 Freiburg
Wieviel: Early Bird 170 € bis 26. Juni, danach 210 €
Sprache: Englisch
Anmeldung unter: workshop@bewegungs-art.de